Professur für Bildungssoziologie


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Fachmittelschulen

 

 

 

                                     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung und Gymnasium – Prozesse und Ergebnisse ihrer Positionierung und Profilierung

 

 

 

Projektteam

 

Raffaella Simona Esposito, MA | Sandra Hafner, MA | Andrea Fischer, MA | Prof. Dr. Regula Julia Leemann | Prof. Dr. Christian Imdorf

 


 

Projektbeschrieb

 

Ausgangslage & Fragestellung

Das beantragte Forschungsvorhaben soll untersuchen, wie sich in der Schweiz die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS), die anfangs 2000 aus der bisherigen allgemeinbildenden Diplommittelschule hervorging, als eigenständiger und ergänzender Bildungsweg neben den Wegen der Berufsbildung und des Gymnasiums in der sich neu formierenden Sekundarstufe II und mit Bezug zur Tertiärstufe positioniert und profiliert hat. Die FMS, welche vorwiegend von Mädchen besucht wird, deckt mit ihrem Ausbildungsprogramm weiterhin einen hohen Anteil von Allgemeinbildung ab, führt aber neu gleichzeitig zu einer berufsfeldbezogenen Vertiefung insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Pädagogik.

 

Die Frage nach Prozess und Ergebnis der Positionierung und Profilierung der FMS erachten wir als bedeutsam, da dieser Bildungsweg gemäss Studien einerseits ein sozial integratives und durch die institutionelle Verbindung von berufsbildenden und allgemeinbildenden Elementen zukunftsfähiges Alternativmodell zu den beiden traditionellen Bildungswegen Berufsbildung und Gymnasium darstellt. Institutionell leistet er eine Verbindung von verschiedenen Wissensformen, was angesichts des Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft stärker gefordert wird. Mit den Berufsfeldern Gesundheit, Soziales und Pädagogik kann er dem Fachkräftemangel in der Pflege, dem Sozialbereich und der Volksschule begegnen.

 

Andererseits ist er in seiner Positionierung und Profilierung als eigenständiger Bildungsweg mit verschiedenen Problemstellungen konfrontiert. Von Seiten der Berufsbildung wird seine berufsvorbereitende Funktion als systemwidrig und als unerwünschte Konkurrenz zu den neu geschaffenen beruflichen Grundbildungen in Gesundheit und Sozialem wahrgenommen. Gegenüber dem Gymnasium wird er von Schüler/innen und Eltern teilweise abgewertet, ist zweite Wahl und dient als Auffangbecken.

 

Grösstenteils unerforscht ist bisher erstens der – durch Legitimations-, Image- und Umsetzungsprobleme bedingte – konflikthafte und unabschliessbare Prozess, bei dem sich die FMS als eigenständiger Bildungsweg neben der Berufsbildung und dem Gymnasium positioniert, sowie die dabei zu beobachtenden Unterschiede zwischen der Westschweiz und der Deutschschweiz. Zweitens ist wenig Wissen vorhanden zur spezifischen Wertigkeit ('Qualität') der FMS und ihrer Berufsfelder, mit der sie sich neben Berufsbildung und Gymnasium als ergänzender Weg profiliert. Das geplante Forschungsprojekt soll diese Lücken schliessen.

 

Theoretischer Rahmen

Um die konflikthafte institutionelle Entwicklung der FMS (Positionierung) und die 'Qualität' ihres Bildungsangebotes (Profilierung) zu untersuchen, bezieht sich die Studie theoretisch auf den im Pragmatismus wurzelnden Ansatz der Soziologie der Konventionen, der die Koordination, Evaluation und Legitimation des sozialen Handelns im Bereich von Wirtschaft und Bildung auf Konventionen i.S. verschiedener kultureller Wertigkeitsordnungen (u.a. Effizienz, Markt, Tradition, Solidarität, Inspiration, Netzwerk, Ruf) zurückführt. Solche Wertigkeitsordnungen formen die Orientierungen und Entscheidungen in der Ausgestaltung der FMS. Sie stehen jedoch teilweise auch in Widerspruch zueinander, was die Handlungskoordination zu einer komplexen und spannungsgeladenen Angelegenheit werden lässt und Kompromisse zwischen den Konventionen erforderlich macht.

 

Forschungsdesign & Daten

Methodisch werden für die Beantwortung der Frage nach der Positionierung der FMS Experteninterviews mit wichtigen Akteuren in den beiden Sprachregionen geführt sowie Dokumente analysiert, um diesen Transformations- und Institutionalisierungsprozess der FMS in den letzten rund 20 Jahren historisch zu rekonstruieren.

Für die Frage der Profilierung werden mittels eines Case Study Designs auf der Basis einer theoriegeleiteten kontrastiven Auswahl vier Ausbildungsprogramme in den beiden Sprachregionen untersucht, und zwar die zwei quantitativ wichtigen FMS-Berufsfelder Gesundheit und Pädagogik sowie ihre jeweiligen parallelen Ausbildungswege in Berufsbildung und Gymnasium, welche zur selben Berufsausbildung auf Tertiärstufe führen. Es handelt sich dabei um die berufliche Grundbildung Fachfrau/-mann Gesundheit und die Schwerpunktfächer Philosophie/ Pädagogik/ Psychologie, Musik und Bildnerisches Gestalten im Gymnasium. Die Daten werden mittels Interviews mit Ausbildungsverantwortlichen auf strategischer und operativer Ebene, Verantwortlichen der Abnehmerhochschulen, Lehrpersonen, Schüler/innen bzw. Lernenden, Feldbegehungen, Bildmaterialien und Dokumentenanalysen (u.a. Rahmenlehrpläne) erhoben.

 

Ziele und Bedeutsamkeit des Projekts

Das geplante dreijährige Forschungsprojekt wird erstmals eine systematische Darstellung der Institutionalisierung der FMS ermöglichen und Hinweise dazu geben, weshalb dieses zukunftsfähige Ausbildungsmodell vor allem in der Deutschschweiz bildungspolitisch wenig Anerkennung erhält und bei Anspruchsgruppen wenig bekannt ist. Es wird zudem darstellen können, durch welche Wertigkeit sich die FMS-Ausbildung im Vergleich zu den Parallelwegen in Berufsbildung und Gymnasium auszeichnet und diese ergänzt. Nicht zuletzt soll das Projekt den skizzierten theoretischen Ansatz für den Bereich der Bildung weiterentwickeln und modifizieren.

 

Laufzeit

März 2016 - Februar 2019

 

Projektleitung
Prof. Dr. Regula Julia Leemann (Professur für Bildungssoziologie, PH n/w)

Prof. Dr. Christian Imdorf (Institut für Soziologie, Universität Basel)

 

Projektbearbeitung
Andrea Fischer, M.A. (PH n/w, Professur für Bildungssoziologie) 

Raffaella Esposito, M.A. (PH n/w, Professur für Bildungssoziologie) Konzept Dissertation

Sandra Hafner, M.A. (PH n/w, Professur für Bildungssoziologie) Konzept Dissertation

 

Finanzierung

Schweizerischer Nationalfonds, Pädagogische Hochschule n|w

 

Advisory Board

Lucien Criblez, Universität Zürich (Professor für Historische Bildungsforschung und Steuerung des Bildungssystems)

Claudio Del Don, Präsident Konferenz Rektor/innen Fachmittelschulen (KFMS)

Agnes Dietzen, Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn

Philipp Gonon, Universität Zürich (Professor für Berufsbildung)

Urs Kiener, Kiener Sozialforschung

Martin Leuenberger, Generalsekretariat Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK)

Chantal Oggenfuss, Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF)

Carole Sierro, Präsidentin Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG)

 


 

Publikationen

 

Regula Julia Leemann, Christian Imdorf, Andrea Fischer, Raffaella Esposito, Sandra Hafner (2016). Die Fachmittelschule – eine Schule der Chancengleichheit / Les écoles de culture générale – écoles d’équité. In: Gymnasium Helveticum, Nr. 5, S. 16-19. Download


 

 

 

 

 

Regula Julia Leemann, Christian Imdorf, Raffaella Esposito, Andrea Fischer, Sandra Hafner (2016). Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung und Gymnasium – Prozesse und Ergebnisse ihrer Positionierung und Profilierung. In: Gymnasium Helveticum, Nr. 2, S. 37. Download

 

 

 

 


 

Präsentationen

 

Raffaella Simona Esposito

Specialized middle school in the health field and VET in health assistance - Dynamics of positioning and profiling of two functional equivalent education programs during the process of their

institutionalization

Extended summary


5th Congress on Research in Vocational Education and Training, 14 to 16 March 2017, SVIVET Zollikofen


Conference Webpage

Tagungsprogramm


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Regula Julia Leemann und Christian Imdorf

Positionierung und Profilierung der Fachmittelschule im Schweizer Bildungssystem auf Sekundarstufe II. Relevanz von sozialer Integration und Chancengleichheit

Panelsession 2, 20. Januar 2017, 09:00 - 11:00

Tagungsprogramm

Tagung Chancen(un)gleichheit und Schulentwicklung, 19. und 20. Januar 2017, Universität Zu╠łrich

Conference Webpage


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Regula Julia Leemann und Sandra Hafner

Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung und Gymnasium. Forschungsrahmen und erste Ergebnisse

Kolloquium „Historische Bildungsforschung und Steuerung des Bildungssystems“, Lehrstuhl Prof. Dr. Lucien Criblez, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Zürich. 13. Dezember 2016, Universität Zürich

 

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Sandra Hafner

Specialised middle school or Baccalaureate school - which track into Universities of Teacher Education?

November 4th, 2016, 14:30 - 16:00, Room LAA L020

Abstract

 

Sociological Perspectives on Education

Annual meeting of the research committee on educational sociology of the Swiss Sociological Association (SSA)

04.-05. November 2016, University of Teacher Education Zürich

Conference Webpage

 

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Regula Julia Leemann, Christian Imdorf, Sandra Hafner, Andrea Fischer und Raffaella Esposito

Hesitant Institutionalisation Of The Specialised School – A Hybrid Track Of Vocational And Academic Training On Upper Secondary Education In Switzerland

August 25, 2016, 09:00 - 10:30, Room NM-A109

Session Information

Abstract

 

ECER 2016 Leading Education: The Distinct Contributions of Educational Research and Researchers,  University College Dublin, 22.-26 August  2016

Kongresswebsite

 

 

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Regula Julia Leemann, Christian Imdorf, Sandra Hafner, Andrea Fischer und Raffaella Esposito

The hesitant process of institutionalisation of the upper-secondary specialised school (Fachmittelschule, Écoles de culture générale) in Switzerland

June 29, 2016, 15:30 - 17:00, Salle ANT-4021

Abstract

 

Annual Conference of the Swiss Society for Research in Education (SSRE) 2016, University of Lausanne, June 29 to July 1, 2016

Kongresswebsite

 

 

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Regula Julia Leemann, Raffaella Esposito, Christian Imdorf, Sandra Hafner, Andrea Fischer

Evolving Specialised Schools in Switzerland: "Sketch of a real utopia"

 

Sociology of Conventions Workshop. Markets and Organizations. Universität Hamburg. 16-18 June, 2016

 

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Regula Julia Leemann, Christian Imdorf, Andrea Fischer und Sandra Hafner 

Social dynamics in the educational reform of a hybrid upper secondary track in Switzerland - insights from the perspective of the sociology of conventions.

Workshop "Sociology of Conventions", University of Lucerne 11.-12 December 2015.

 

 

 


 

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Projektskizze